Die Ursache für den kreisrunden Haarausfall ist leider unbekannt. Organisch
ist bei den Betroffenen meist nichts feststellbar. Man ist sich ziemlich sicher,
dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der das Immunsystem die
eigenen Haare abstößt. Die Haarfollikel werden aus irgendeinem Grund
plötzlich von den eigenen Immunzellen (T-Lymphozyten) angegriffen. Diese
Zellen dienen eigentlich dazu, Schädlinge von außen abzuwehren. Warum
der Körper diese Gesundheitspolizei nun gegen sich selber einsetzt, ist
noch nicht geklärt. Auslöser hierfür sind vielfältig denkbar.
Die Folge: Die Haarfollikel sind nicht mehr in der Lage, gesunde Haare zu produzieren.
Da der kreisrunde Haarausfall in manchen Familien gehäuft vorkommt, vermutet
man, dass verschiedene genetische Faktoren eine Rolle spielen.
Um die Entzündung, die an den Haarwurzeln entsteht, zu bekämpfen,
wird häufig Kortison eingesetzt. Dabei
gibt es die äußerliche Behandlung mit kortisonhaltigen Lösungen
oder Cremes. Zusätzlich wird auch die Einnahme von Zinktabletten empfohlen, um
das Immunsystem zu stabilisieren.
Eine Kortisonbehandlung in Tablettenform über einen längeren Zeitraum
führt zwar relativ häufig zu Haarwachstum, die Haare fallen aber nach
Absetzen der Behandlung meist wieder aus.
Orale Zinksalze wie zum Beispiel Zinkaspartat sind in jedem Lebensalter, selbst in der Schwangerschaft und Stillzeit, wegen der kaum zu erwartenden Nebenwirkungen einsetzbar. Der Erfolg kann allerdings frühestens nach einigen Monaten beurteilt werden.
Bei einigen Patienten wird eine orale Therapie mit Dapson durchgeführt. Dieses aus der Lepra-Therapie bekannte Medikament macht allerdings häufige Blutbildkontrollen erforderlich, da es hier zu Veränderungen kommen kann.
Für eine Photochemotherapie, wie sie gelegentlich durchgeführt wird, oder die Behandlung der Kopfhaut mit einer Minoxidil-Lösung ist die Wirksamkeit für den kreisrunden Haarausfall nicht zweifelsfrei erwiesen.
Ein weiterer Therapieansatz ist die Behandlung mit thymusextrakthaltigen Mitteln.
Den größten Erfolg hat bislang die sogenannte topische Immuntherapie. Dabei wird eine reizende chemische Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen, die dort zu einer allergischen Reaktion führt, d.h. ein Ekzem erzeugt. Durch diese Entzündung werden die Immunzellen, die die Haarwurzeln angreifen, offenbar abgelenkt, und die Haarfollikel können sich regenerieren. In der Hälfte der Fälle führt diese Therapie dazu, dass den Patienten wieder Haare wachsen. Der Nachteil: Das Mittel muss in der Regel dauerhaft, d.h. über Jahre hinweg angewendet werden. Sobald man es absetzt, fallen die Haare wieder aus. Außerdem kann es bei manchen Patienten zu stärkeren allergischen Reaktion kommen, die unter Umständen auch an anderen Stellen des Körpers auftreten.
Als positiven Ausblick kann man sagen, dass es häufig
nach einiger Zeit zu Spontanheilungen kommt, aber sonst kann man über
den Verlauf und das Ausmaß des Haarausfalls wenig vorhersagen. Das Risiko,
dass die Haare erneut ausfallen, bleibt jedoch das ganze Leben lang bestehen.